Gekämpft bis zum Schluss

| Andrea Vieira

Zum ersten Mal nahm der 17-jährige Nico Seiler dank einer Wild Card an den Weltmeisterschaftsläufen in Frauenfeld teil. Der Lütisburger hatte mit dem ungewohnten Gelände zu kämpfen aber er gab sich nicht so leicht geschlagen.

Nebst den besten Fahrern der Welt, fuhren auch einige schnelle Schweizer um die WM-Punkte. Im Pulk der MX2, der Serie für Crössler unter 23 Jahren, auf 250er-4-Takt-Maschinen, gab der erst 17-jährige Nico Seiler, der in der aktuellen Schweizer Meisterschaft an dritter Stelle liegt, sein WM-Début. Er bekam von Veranstalter «Youth Stream» eine Wild Card. Dass er bevorzugt wurde, lag auch daran, dass die zwei in der Schweizer Meisterschaft vor ihm Platzierten nicht dem Anforderungsprofil entsprachen. Der führende Kilian Auberson ist bereits zu alt und Luca Bruggmann ein Liechtensteiner.

Länger und härter als in der Schweizermeisterschaft

Im Qualifikationslauf, wo es um den möglichst guten Startplatz an den Rennen geht, musste Nico Seiler gleich zweimal in derselben Runde zu Boden. Die tiefen Gräben im sonst griffigen Boden auf dem Gelände von Schweizer Zucker forderten die Fahrer. «Solch tiefe Rillen haben wir nicht in der Schweizer Meisterschaft, und wir können das in der Schweiz auch nicht trainieren. Ich machte zweimal einen Fahrfehler und stürzte», erklärt Nico Seiler. Darauf schaute er sich die Technik von routinierteren Fahrern an und setzte das Gesehene gleich um. Im ersten Lauf fuhr er völlig entfesselt und hielt einige Runden mit den Schnellsten mit. Doch je länger der Lauf dauerte, desto mehr schwanden seine Kräfte. Die Rennläufe in der WM dauern fünf Minuten länger als die der Schweizer Meisterschaft, das ist im Motocross eine Welt. Zweimal musste er sich überrunden lassen. «Durch das Mithalten zu Beginn des Rennens habe ich mich schon etwas übernommen», gesteht er. Im zweiten Lauf fuhr er sein eigenes Tempo, kam in einen guten Rhythmus und wurde daher von den Schnellsten nur noch einmal überrundet. «Mit dem zweiten Lauf bin ich sehr zufrieden. Ich teilte meine Kräfte gut ein und fuhr konzentriert bis zum Schluss.» Seine erste WM-Teilnahme beendete Nico Seiler auf dem 30. Rang von 35 gewerteten Fahrern. Der Bülacher Jeremy Seewer, aktuell auf dem zweiten Rang in der WM MX2, gewann den ersten Lauf souverän. Die tobenden Zuschauer auf den Rängen pushten den Lokalmatador förmlich ins Ziel. Im zweiten Lauf wurde Seewer in einen Crash verwickelt und musste das Rennen als Letzter angehen. Seine Aufholjagd war spektakulär. Seewer wurde Fünfter und belegte wie letztes Jahr den zweiten Tagesrang.

«Ich will Motocross-Profi werden»

Nico Seiler, der Maurerlehrling aus Lütisburg hat klare Vorstellungen betreffend seiner Zukunft. «Ich will Motocross-Profi werden.» Er ist sich bewusst, dass dies in der Schweiz ein schwieriges Unterfangen sein wird. Daher geht er auf Nummer sicher und beendet zuerst seine Berufslehre. Eine weise Entscheidung für den jugendlichen Sportler. Danach möchte er reduziert arbeiten, sich dafür mehr dem Motocross fahren widmen. Seit er sechs jährig ist fährt Nico Seiler Motocross. Vater Hans Seiler fuhr in jungen Jahren selber Motocross und Motorrad-Strassenrennen. Dass sich klein Nico erstmals auf einen Töff setzte, dazu brauchte es einiges an Überredungskunst des Vaters. Der Knirps wollte nicht. Doch dann hatte der Bub sofort Spass an der Sache, seither ist er infiziert. Seine Fitness holt er sich auf dem Strassenrennvelo. Verhindert garstiges Wetter dieses Training, geht er joggen oder quält sich im Fitnessstudio. «Joggen ist gut für die Ausdauer, das trainiere ich auch bei Regen.» Einen Ernährungsplan hat er keinen. «Ich esse genug Kohlhydrate vor den Rennen. Sonst esse ich, was ich mag. Am liebsten sind mir Chnöpfli mit Öpfelmues», verrät Nico Seiler.

(Bild: Nicon Photography)

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